Aphasie nach einem Schlaganfall: Wie die Logopädie hilft

Aphasie Schlaganfall

Ein Schlaganfall kann innerhalb weniger Augenblicke vieles verändern – auch die Sprache. Vertraute Wörter fehlen plötzlich, Sätze lassen sich nur schwer formulieren oder Gesagtes wird nicht mehr richtig verstanden. Eine solche Aphasie nach einem Schlaganfall kann die alltägliche Kommunikation erheblich erschweren und stellt Betroffene sowie ihr Umfeld vor neue Herausforderungen.

Was ist eine Aphasie?

Eine Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns entsteht. Die häufigste Ursache ist ein Schlaganfall. Dabei können unterschiedliche Bereiche der Sprache betroffen sein – neben dem Sprechen auch das Sprachverständnis sowie das Lesen und Schreiben.

Welche Einschränkungen auftreten und wie stark sie ausgeprägt sind, hängt unter anderem von Ort und Ausmaß der Hirnschädigung ab. Wichtig: Eine Aphasie betrifft die Sprache und bedeutet nicht automatisch eine Beeinträchtigung der geistigen Fähigkeiten. Betroffene wissen häufig genau, was sie sagen möchten, können die passenden Wörter jedoch nicht abrufen.

Warum kann ein Schlaganfall eine Aphasie verursachen?

Bei einem Schlaganfall wird die Blutversorgung eines Bereichs im Gehirn plötzlich gestört, beispielsweise durch ein verschlossenes Blutgefäß oder eine Hirnblutung. Dadurch erhält das betroffene Hirngewebe nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe. Nervenzellen können geschädigt werden oder absterben.

Betrifft der Schlaganfall Regionen, die für die Verarbeitung von Sprache wichtig sind, kann eine Aphasie entstehen. Bei den meisten Menschen befinden sich wesentliche Sprachfunktionen in der linken Gehirnhälfte.

Je nachdem, welcher Bereich geschädigt wurde, können deshalb ganz unterschiedliche Schwierigkeiten auftreten. Während eine Person hauptsächlich Probleme bei der Wortfindung hat, fällt einer anderen das Verstehen gesprochener Sprache schwer. Wieder andere Betroffene haben gleichzeitig Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben.

Wie äußert sich eine Aphasie nach einem Schlaganfall?

Nicht jede Aphasie sieht gleich aus. Manche Veränderungen sind im Gespräch sofort erkennbar, andere fallen zunächst nur in bestimmten Situationen auf. Auch die Stärke der Beeinträchtigungen kann erheblich variieren.

Typische Anzeichen einer Aphasie können sein:

  • Wortfindungsstörungen: Ein bestimmtes Wort liegt scheinbar „auf der Zunge“, lässt sich aber nicht abrufen.
  • Wortverwechslungen: Betroffene verwenden ein anderes als das eigentlich gemeinte Wort.
  • Veränderte Satzbildung: Sätze können sehr kurz, unvollständig oder grammatikalisch verändert sein.
  • Eingeschränktes Sprachverständnis: Gesprochene Wörter oder komplexere Sätze werden nicht vollständig verstanden.
  • Schwierigkeiten beim Lesen: Wörter oder ganze Texte können nicht mehr wie gewohnt erfasst werden.
  • Schwierigkeiten beim Schreiben: Buchstaben, Wörter oder Sätze lassen sich möglicherweise nicht mehr korrekt schreiben.

Dabei können einzelne Fähigkeiten unterschiedlich stark betroffen sein. Ein Mensch mit Aphasie kann beispielsweise relativ flüssig sprechen und trotzdem große Schwierigkeiten haben, sein Gegenüber zu verstehen. Ein anderer versteht Gespräche gut, benötigt aber viel Zeit, um selbst einen Satz zu formulieren.

Welche Formen der Aphasie gibt es?

Zur Beschreibung der unterschiedlichen Erscheinungsbilder werden traditionell mehrere Formen der Aphasie unterschieden. Die Übergänge können jedoch fließend sein und nicht jede Aphasie lässt sich eindeutig einer bestimmten Form zuordnen.

  • Amnestische Aphasie: Bei einer amnestischen Aphasie stehen Wortfindungsstörungen im Vordergrund. Betroffene wissen häufig, was sie sagen möchten, finden aber einzelne Begriffe nicht. Stattdessen werden Wörter umschrieben oder durch andere Begriffe ersetzt. Das Sprachverständnis ist meist vergleichsweise gut erhalten.
  • Broca-Aphasie: Menschen mit einer Broca-Aphasie sprechen häufig langsam und mit großer Anstrengung. Die Sätze sind meist kurz und grammatikalisch vereinfacht. Teilweise entsteht ein sogenannter „Telegrammstil“, bei dem vor allem wichtige Inhaltswörter aneinandergereiht werden. Das Sprachverständnis kann deutlich besser erhalten sein als das eigene Sprechen.
  • Wernicke-Aphasie: Bei einer Wernicke-Aphasie kann die Sprache zunächst flüssig wirken. Allerdings werden Wörter oder Laute verwechselt oder neue, für andere unverständliche Wörter gebildet. Dadurch kann es schwerfallen, dem Gesagten zu folgen. Gleichzeitig ist häufig auch das Sprachverständnis beeinträchtigt.
  • Globale Aphasie: Die globale Aphasie ist eine schwere Form der Sprachstörung. Sowohl das Sprechen als auch das Verstehen können stark eingeschränkt sein. Häufig sind zusätzlich Lesen und Schreiben Die Kommunikation ist dadurch erheblich erschwert.

Aphasie nach einem Schlaganfall: So hilft die Logopädie

Die logopädische Therapie bildet einen wichtigen Bestandteil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Zu Beginn steht eine genaue Diagnostik der vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten und Einschränkungen. Darauf aufbauend richtet die Logopädie die Behandlung individuell auf die betroffene Person aus.

Je nach Ausprägung der Aphasie trainiert die Therapie beispielsweise Wortfindung, Sprachverständnis, Satzbildung, Lesen und Schreiben. Gleichzeitig nimmt die Kommunikation im Alltag einen wichtigen Stellenwert ein. Gezielte Strategien helfen Betroffenen dabei, sich trotz sprachlicher Einschränkungen besser mitzuteilen. Auch Gesten, Bilder, Zeichnungen oder geschriebene Wörter können die Verständigung unterstützen.

Wie schnell und in welchem Umfang sich sprachliche Fähigkeiten verbessern, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. Besonders in der ersten Zeit nach dem Schlaganfall können deutliche Veränderungen auftreten. Fortschritte sind jedoch auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Die Therapie passt sich deshalb fortlaufend an die individuellen Fähigkeiten, Entwicklungen und Bedürfnisse an.

Kommunikation im Alltag: Was können Angehörige tun?

Eine Aphasie verändert häufig auch die Kommunikation innerhalb der Familie und im sozialen Umfeld. Gespräche brauchen mehr Zeit, gewohnte Abläufe funktionieren plötzlich nicht mehr und Missverständnisse können entstehen. Angehörige können jedoch viel dazu beitragen, die Verständigung im Alltag zu erleichtern.

Dabei helfen einige einfache Grundsätze:

  • Kurze und klare Sätze erleichtern das Verstehen, ohne die Sprache unnötig zu vereinfachen.
  • Ausreichend Zeit zum Antworten nimmt Druck aus der Gesprächssituation. Angehörige sollten fehlende Wörter nicht vorschnell ergänzen.
  • Eine Frage nach der anderen hilft dabei, Gesprächen leichter zu folgen.
  • Eine ruhige Umgebung reduziert Ablenkungen durch Fernseher, Radio oder andere Hintergrundgeräusche.
  • Gestik, Mimik, Bilder oder geschriebene Wörter können die gesprochene Sprache sinnvoll ergänzen.
  • Weniger Korrekturen rücken den Inhalt des Gesprächs statt sprachlicher Fehler in den Mittelpunkt.
  • Aktive Einbindung in Gespräche und Entscheidungen stärkt die Selbstständigkeit und verhindert, dass andere über den betroffenen Menschen hinweg kommunizieren.

Vor allem braucht gelingende Kommunikation Geduld. Eine Aphasie erschwert das Sprechen und Verstehen, verändert aber nicht automatisch die Gedanken oder geistigen Fähigkeiten eines Menschen. Ein respektvoller Umgang auf Augenhöhe schafft deshalb eine wichtige Grundlage für Gespräche im Alltag.

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